Ärztekammerwahl 2012
Die Wahl 2012
Weltuntergangsszenarien begleiten uns auf Schritt und Tritt. Zweifellos leben wir in Zeiten von großen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und sogar klimatischen Umwälzungen, die zum Großteil selbst verschuldet sind. Neujahrsvorsätze, Biertischdiskussionen, Feiertagsversprechungen und Fürbitten bei der Sonntagsmesse helfen uns nicht weiter, jeder vermag selbst einen kleinen Beitrag zu leisten.
Natürlich kann und muss nicht jeder Arzt in der Ärztekammer mitarbeiten.
Natürlich muss auch nicht jeder Arzt zur Wahl gehen, aber er kann!
Welches Privileg es ist, wählen zu dürfen, ist uns im vergangenen Jahr in arabischen Ländern als selbstloser Kampf für die Demokratie eindrucksvoll vor Augen geführt worden.
Die Kammern sollen auf Wunsch der Politik in das neue Lobbyisten-Gesetz aufgenommen werden. Unsere Legitimation durch eine Wahl gibt uns jedoch das Recht und die Verpflichtung, unsere Selbstverwaltung gegen gekaufte Interessen abzugrenzen.
Die Unabhängigkeit
Ich kenne keine wahlwerbende Gruppe in der Ärztekammer, die politische Unabhängigkeit nicht für sich auf die Fahnen heftet.
Wie glaubwürdig diese Gruppen sind, kann jeder für sich entscheiden, wenn hochrangige Vertreter der Ärztekammer Veranstaltungen im Rahmen von „Clubgesprächen der ÖVP“ ausschreiben, sozialdemokratische Sektionschefs als Vertreter des Ministeriums von einer Fraktion unter dem Ärztekammerlogo in den Ärztekammersaal eingeladen werden oder sich Kammerfunktionäre als politische Berater der Landeshauptfrau in den Medien groß ablichten lassen.
Ich behaupte: diese Unabhängigkeit gibt es nicht und jeder, der das von sich behauptet, belügt sich selbst! Wir Ärzte sind in einem großen Netzwerk verhaftet und genau das macht unseren Beruf so interessant und einzigartig. Zu diesem Netzwerk gehören neben Patienten und ihren Anwälten, anderen Gesundheitsberufen und großen Zweigen der Industrie natürlich auch die Politik. Ob die Rahmenbedingungen für ein funktionierendes, solidarisches und leistbares Gesundheitssystem aus liberaler, sozialdemokratischer oder christlich-sozialer Gesinnung heraus geschaffen werden, tangiert mich nur peripher. Entscheidend sind die Persönlichkeiten, ihre Werte und ihr Durchhaltevermögen, Ideen auch bis zur praktischen Umsetzung in den Alltag zu begleiten. Wir brauchen ernstzunehmende Gesprächspartner in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um die Rahmenbedingungen mitgestalten zu können, unter denen wir arbeiten (übrigens ein wichtige Faktor der Burn-out-Prophylaxe!).
Das Ziel
Eine Ärztekammerspitze der besten und interessiertesten Köpfe - unabhängig von Ideologie, Geschlecht, Generation oder Fachrichtung- wünschen wir uns für die kommenden fünf Jahre Kammerarbeit.
Wir, die „Freien Ärztinnen und Ärzte“ sprechen und arbeiten mit jedem demokratisch gewählten Vertreter. Eine Spaltung der Ärzteschaft (Angestellte - Niedergelassene, Wahlärzte - Kassenärzte, Allgemeinmediziner - Fachärzte etc.) führt nur zu einer Schwächung innerhalb der Gruppe. Wir brauchen eure breite Legitimation!
Deshalb mitdenken, mitreden und mitgestalten bei der Ärztekammerwahl 2012.
Dr. Edith Huber
Kurienobfrau-Stellvertreterin
Fachärztin Innere Medizin/Kardiologie
Leiterin des Ambulatorium-Nord in Salzburg kardiologie(at)sbg.at



