HAUSARZT nicht Job sondern Beruf

22 Jahren  als niedergelassene Allgemeinmedizinerin mit Kassen in der Umgebung der Stadt Salzburg haben mich nicht entmutigt. Im Gegenteil,  ich möchte jungen Kolleginnen und Kollegen Mut machen, auch diesen Schritt in die freie Praxis zu tun.


Die Tätigkeit des Allgemeinmediziners hat für mich etwas sehr schönes, sie bietet die Fülle der Medizin und auch die Fülle des Lebens und Menschseins. 
In meinem Patientenkreis finden sich Säuglinge, Kinder,  Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Ich darf Kinder erwachsen werden sehen, Familien betreuen,  chronisch kranke Menschen behandeln und sie auch bis zu ihrem Tod begleiten. Akutmedizin und Notfälle runden das Arbeitsspektrum ab.

Die Medizin hat sich in den letzten 20 Jahren deutlich gewandelt. Als Hausarzt kann man nicht und muss man nicht alles wissen und auch nicht alles können, aber man muss wissen, wie man seine Patienten managt, sie berät und durch die Möglichkeiten unseres Gesundheitssystems führt. Die Medizin zu überblicken und mit Einfühlungsvermögen seine Patienten zu betreuen ist die Basis.
Wichtig ist für mich, zu erkennen, welche Möglichkeiten vorhanden sind, wo  meine Stärken, wo meine Schwächen und wo meine Grenzen sind.


Bedeutend für uns Allgemeinmediziner ist die Vernetzung untereinander , sei es in Qualitätszirkeln, Dienstbesprechungen oder Balintgruppen, dies stärkt uns in fachlicher und menschlicher Hinsicht. Ebenso die Vernetzung mit Fachärzten, Spitalsambulanzen und Abteilungen. In dieser Hinsicht ist eine vermehrte Förderung des Kontaktes – Spital – Niedergelassene durchaus wünschenswert.

Manche empfinden es unangenehm als „Einzelkämpfer“ zu arbeiten. Im Gegensatz zum Spital enstehen dadurch aber eine Gestaltungsmöglichkeiten, auch wenn als „Kassenpraktiker“  Zwänge von Seiten der Sozialversicherungen bestehen. Ich versuche, die Kassen als Partner und nicht als Feindbild zu sehen und habe damit eine weitgehend gute Zusammenarbeit erreicht.

Dass sich Hausarzt und Familie auch ganz gut vereinbaren lassen, zeigt die Tatsache, dass immer mehr Frauen in der Allgemeinpraxis zu finden sind. Ich war in unserem „Dienstradl“ im Jahr 1989 die erste Frau, jetzt sind wir fünf Frauen von insgesamt acht Allgemeinmedizinern. 
Natürlich sollte auch bei uns Ärzten Familie nicht nur Frauensache bleiben.



Ich trete für die Aufwertung der Allgemeinmedizin  mit entsprechender Honorierung ein, vor allem auch der Gesprächsmedizin, die in der heutigen Zeit mit Wirtschaftskrise, Stress und Problemen am Arbeitsplatz eine so wichtige Rolle spielt. Es besteht die Möglichkeit,  in Form von Weiterbildungen die Psy 1 bis 3 Diplome zu erlangen und damit sowohl eine Weiterentwicklung bei sich selbst zu erzielen als auch bessere Honorierungsmöglichkeiten zu erlangen.


Meiner Meinung nach ist eine Gleichberechtigung mit Fachärzten als „Facharzt für Allgemeinmedizin“ mit der Möglichkeit, Zusatzfächer zu erwerben dringend notwendig.
Neue Gestaltungsmöglichkeiten der Allgemeinmedizin  mit Gruppenpraxen  oder Ärztezentren, deren Bestimmung und Verwaltung natürlich in der Hand der Ärzte bleiben muss, werden sich im Zuge der Zeit ergeben.



Dr. Marion Kirchlechner-Floretta
Arzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapie        marion.kirchlechner(at)sbg.at